Zu Beginn des Schuljahres überlegten die Kinder der 1./2. Klasse von Verena Böhl, wie sie Menschen helfen könnten, die es schwer haben, Kontakte zu finden. Ein Deutschlernkurs für neu in Deutschland angekommene Erwachsene könnte ein guter Partner sein ….
Dass sie selbst noch gar nicht alle Buchstaben kennen, hält die Schüler*innen nicht davon ab, sich in ihr Vorhaben zu stürzen. Was sie selbst nicht aufschreiben können, diktieren sie ihrer Lehrerin und malen aussagekräftige Bilder dazu.

Gespannt warten sie, ob und wann sie Antworten bekommen. Und siehe da: die Resonanz ist groß.
Die erwachsenen Schüler*innen eines Deutschkurses im Bellevue de Monaco reagieren entzückt auf die bunt bebilderten Nachrichten. Sie erwidern die Briefe mit Freude und nutzen auf diese Weise einen inspirierenden Anlass, ihre neu erworbenen Sprachkenntnisse einzusetzen und Schriftdeutsch zu üben.
Sie erfahren viel über zahlreiche Länder und deren Flora und Fauna, über Kulturen, Sprachen, Berufe, Vorlieben und Interessen ihrer neuen Brieffreund*innen. Hoch motiviert recherchieren sie den Informationen nach: Wie lebt es sich in der Wüste? Warum tragen Menschen Lasten auf dem Kopf und wie fühlt sich das an? Wie sieht der Wappenvogel aus Uganda in Wirklichkeit aus und warum sind die Häuser in Kuba so quietschbunt angestrichen? Wie sieht eine Grundschule in Afghanistan von innen aus und wie wird dort gelernt?
Viele der Kinder kommen selbst aus Familien mit Migrationsgeschichte und sprechen mehrere Sprachen. Manche von ihnen sind mit ihren Familien selbst vor Krieg oder Verfolgung geflohen. Sie erfahren, dass ihre Schreibpartner ähnliche Hintergründe haben und diskutieren in der Klasse die Gemeinsamkeiten. Und: Das Projekt fördert auf beiden Seiten intensiv die Lese- und Schreibkompetenzen aller Beteiligten.
Die Kinder haben Frage- und Kennenlernspiele vorbereitet, die viel Spaß machen. Das Feedback einer Lehrerin aus dem Bellevue de Monaco:
„So etwas ist wirklich eine Win-win-win-Situation! Nicht nur wegen des Deutschlernens und des Praxisbezuges, sondern auch wegen des menschlichen Bezugs. Und damit sind die Menschen im Bellevue ja nicht gerade verwöhnt …“
Text: Regine Leonhardt, Projektleitung "Lernen durch Engagement"
Dazu passt.

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